Die Italian Banking Association hat angekündigt, dass die italienischen Banken bereit sind, eine digitale Zentralbankwährung zu testen. Erst im letzten Monat hat Frankreich einen Pilotversuch mit einer CBDC abgeschlossen.

Die Vorteile von “Central Bank Digital Currencies” (CBDCs) liegen auf der Hand. Mittels Blockchain-Technologie lassen sich Transaktionen schneller und günstiger realisieren, als mit derzeitigen Überweisungen über zentrale Clearing-Stellen. Beinahe alle Zentralbanken der Welt haben daher bereits ein Interesse an CBDCs angekündigt.

E-Euro oder nationale CBDC?

Könnten CBDCs dazu führen, dass einzelne Länder in der Eurozone wieder nationale Währungen einführen? Da die Länder ihre Tests nur auf nationaler Ebene durchführen, scheint dies durchaus möglich. Die Einführung eines “digitalen Euros” setzt schließlich voraus, dass alle Länder diese neue Währung gleichzeitig mit der selben Technologie einführen.

Dies könnte zu weiteren Verwerfungen zwischen den Euroländern führen. Einzelne Länder könnten mit den genauen Details der CBDC unzufrieden sind, oder die notwendige technologische Infrastruktur für die Einführung nicht haben. Letztendlich entscheiden die Nutzer darüber, ob sie die CBDC, oder den klassischen Euro für Zahlungen verwenden wollen. Eine Lösung, welche für alle Länder akzeptabel ist, wird es damit möglicherweise nicht geben.

So gesehen ist es durchaus sinnvoll, die Entwicklung von CBDCs den einzelnen Ländern zu überlassen. Dadurch kann die Einführung von digitalen Währungen und der sie umgebenden Infrastruktur wie zum Beispiel Wallets schneller vorangetrieben werden. Der Hauptvorteil des Euro ist, dass bei grenzübergreifenden Zahlungsvorgängen innerhalb der Eurozone keine Wechselgebühren anfallen. Mit CBDCs fällt dieser Vorteil ohnehin weg. Durch Handelsplattformen könnte man verschiedene CBDCs problemlos gegeneinander austauschen.

E-Mark oder E-Euro?

Auch der Bundesverband deutscher Banken drückte am 19. Juni 2020 deutliches Interesse an einer digitalen Zentralbankwährung. Dr. Jörg Kukies, Staatssekretär im Bundesministerium für Finanzen, sagte dazu, dass ein digitaler Euro zwar idealerweise auf europäischer Ebene reguliert werden sollte. Sollte das nicht möglich sein, könnten die einzelnen Eurostaaten eine eigene Regulierung durchsetzen. Auch bei der Regulierung von Kryptowährungen sind die einzelnen EU-Staaten ähnlich vorgegangen.

Sollten sich nationale CBDCs im Euroraum herausbilden, könnten die jeweiligen Blockchain-Netzwerke interoperabel gemacht werden, um sich besser zu miteinander zu integrieren. Das Ergebnis wäre ein E-Euro, der allerdings aus verschiedenen programmierbaren Währungen besteht.

Der Euro bekommt derzeit heftige Konkurrenz, nicht nur durch private Stablecoins wie Libra, sondern auch durch den digitalen Renminbi. Dieser wird derzeit von der Chinesischen Volksbank getestet. Die Uhr tickt also und für eine gesamteuropäische CBDC-Lösung hat die EZB möglicherweise keine Zeit mehr.