HFI Research sagt, dass der Ölmarkt seinen kritischen Punkt bereits überschritten hat, der etwa Mitte April erwartet wurde.
Die Analyse meint, dass diese Bestandsrückgänge unabhängig von einer Wiedereröffnung der Straße von Hormus passieren werden. Der Grund dafür sind strukturelle und logistische Einschränkungen. Zudem gibt es weiterhin Unsicherheit bei den diplomatischen Bemühungen, den Krieg zwischen den USA und Iran zu lösen.
Warum ein Friedensabkommen den Schock am Ölmarkt nicht umkehren könnte
HFI erklärt, dass eine Erholung des Ölmarkts auch bei einem Friedensabkommen zwischen den USA und Iran durch logistische Hindernisse weiter verzögert würde. Etwa 160 Millionen Barrel im schwimmenden Lager, also auf Tankern, könnten entladen werden. Allein das Entladen und der Transport würden aber 30 bis 40 Tage dauern, die Rückkehr der Tanker zusätzlich 20 Tage.
Gleichzeitig sind etwa 70 sehr große Rohöltanker (VLCC) auf dem Weg, um US-Rohöl für Asien zu laden. Der gesamte Zyklus dauert bei ihnen noch länger: Das Laden dauert sechs bis acht Wochen, die Fahrt dauert 45 bis 50 Tage, und das Entladen sowie die Rückfahrt erfordern nochmals 20 bis 25 Tage.
„Insgesamt werden wir mindestens drei Monate keinen nennenswerten Verkehr von Tankern in der Straße von Hormus von dieser Gruppe sehen”, heißt es im Blog.
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Auch an Land gibt es im Nahen Osten weitere Probleme für eine Erholung. Die Region hat 600 Millionen Barrel im Lager. Die Produzenten müssen etwa 200 Millionen Barrel abziehen, bevor die Produktion neu starten kann.
Dafür wären mindestens 100 VLCC nötig. Doch laut aktuellen Tankerdaten ist eine Wiederherstellung frühestens Mitte bis Ende Juni möglich.
„Nachdem das Rohöl aus den Lagern an Land abgezogen wurde, braucht es einen konstanten Fluss an Tankern durch die Straße von Hormus, um weiteres Rohöl aufzunehmen. Erst dann können Produzenten wie Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, Katar, Irak und Bahrain die Förderung wieder aufnehmen. Dieser Prozess wird noch einige Wochen dauern und damit dafür sorgen, dass das Angebot weiter knapp bleibt”, ergänzt HFI Research.
Der Bericht hebt hervor, dass durch die Sperrung der Straße bereits insgesamt etwa 1 Milliarde Barrel an Lagerbeständen verloren gegangen sind. Bis Ende Juni könnte diese Zahl auf 1,98 Milliarden ansteigen.
Laut HFI könnte es angesichts der begrenzt verfügbaren Handelsmenge nötig sein, die Nachfrage zu verringern, damit der Markt ins Gleichgewicht kommt. Sollte die Straße von Hormus nach April weiter geschlossen bleiben, könnten die Ölpreise einen noch nie dagewesenen Stand erreichen, wobei herkömmliche Preisfindungen nicht mehr funktionieren.
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