Bei der Wirecard AG verschwindet nicht nur der Wert der Aktie, sondern auch Milliarden

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IN KÜRZE
  • Wirecard AG muss Jahresbericht 2019 weiter verzögern

  • Die fehlenden Milliarden sind mit "überwiegender Wahrscheinlichkeit" gar nicht vorhanden

  • Die Aktie musste zeitweise um weitere 55 % nachgeben

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Die Wirecard AG gerät weiter unter Druck. Nachdem das Papier des Unternehmens bereits vergangene Woche 66 % nachlassen musste, ging es zum Wochenstart zeitweise um weitere 55 % nach unten, ehe jetzt eine erste Erholung einsetzte.



Es ist eine ausgewachsene Katastrophe: Die Wirecard AG hat ein Loch in Milliardenhöhe in ihrer Jahresbilanz 2019. Wie wir berichteten, konnte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young GmbH für insgesamt 1,9 Mrd. EUR auf Treuhandkonten keine ausreichenden Prüfungsnachweise finden. Deshalb musste die Veröffentlichung der Jahresbilanz 2019 verschoben werden. Die Jahresbilanz 2019 mitsamt der Prognosen für das laufende Geschäftsjahr seien jetzt nicht mehr zu halten, heißt es vom DAX-Unternehmen. Der Grund: Die 1,9 Mrd. EUR existieren mit “überwiegender Wahrscheinlichkeit” gar nicht.

Jahresbericht 2019 ist nicht mehr zu halten, sagt die Wirecard AG

Die Abgabe des Jahresberichts 2019 von Wirecard AG hätte eigentlich am vergangenen 19. Juni 2020 erfolgen müssen. Bisweilen liegt dieser Bericht jedoch nicht vor und die Jahresbilanz mitsamt Prognosen für das laufende Jahr seien ohnehin nicht mehr zu halten. Das zumindest hieß es in der Nacht zum heutigen 22.06.2020 vonseiten der Wirecard AG. Die 1,9 Mrd. EUR, für die zunächst keine ausreichenden Prüfungsnachweise erlangt werden konnten, existieren höchstwahrscheinlich nicht mal. Die Spur verliert sich jedenfalls auf den Philippinen, wie Reuters meldet.



Die Folge ist ein zurückgetretener Vorstandschef in Form von Markus Braun, ein weiterer Vorstand bekam seine Suspension. Der 19. Juni 2020 ist verstrichen und mit ihm die Frist zur Veröffentlichung der Geschäftszahlen für 2019. Banken können Wirecard also jetzt Kreditlinien kündigen und das Unternehmen wäre zur Zurückzahlung der Gelder verpflichtet. Das bereitet den Aktionären und Anlegern natürlich Angst. Die Aktie am deutschen Markt brach folglich um weitere 55 % ein. Von ehemals 104.500 blieben zum Zeitpunkt dieses Artikels nur noch 15.688, ein Minus von 39.59 %. Solche Preisbewegungen sehen wir sonst nur bei Kryptowährungen!

Angst vor Kündigung von Krediten wächst

Was die Zukunft der Wirecard AG angeht, sagte Interims-Chef James Freis im Grunde nur, dass es um das Überleben der Firma ginge und Wirecard mit den geldgebenden Instituten in Verbindung stehe. Dies bezieht sich auf diejenigen Banken, die Gelder an Wirecard verliehen haben. Insgesamt geht es dabei um rund 1,75 Mrd. Euro. Würden diese Banken jetzt den Geldhahn zudrehen und ihre Gelder zurückfordern, bedeute dies das Aus für Wirecard. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtete allerdings, dass die beteiligten Geldhäuser dies wohl nicht vorhaben. Die Befürchtung einer wahren Panik im Bankensektor ist wohl zu groß.

Quelle: Der Aktionär

Die gesamte Geschichte bleibt also undurchsichtig. Zudem kommen Erinnerungen hoch, als die Wirecard AG von mehreren US-amerikanischen Medien, u.a. auch der Financial Times, der Bilanzfälschung bezichtigt wurde. Der Aufsichtsrat hatte damals eine Sonderprüfung durch KPMG genehmigt, um die Vorwürfe aus der Welt zu schaffen. Leider konnten die Prüfer diese Entkräftigung der Vorwürfe nicht herbeiführen, denn es kam zu schwerwiegende Mängeln bei internen Kontrollen, als auch Unregelmäßigkeiten im Geschäft mit den Drittpartnern. Dass jetzt Milliarden offenbar fehlen, gießt erneut Öl ins Feuer dieser Vorwürfe.

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