DeFi Daily: Bitcoin und Ethereum im Vergleich

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IN KÜRZE
  • Wenn man Bitcoin als digitales Gold bezeichnet, könnte man Ethereum einen dezentralen Weltcomputer nennen.

  • Stablecoins verzeichneten im letzten Quartal ein historisches Wachstum.

  • Bitcoin-Maximalist und Altcoin sind jetzt Schimpfworte.

Das Trust Project ist ein internationales Konsortium von Nachrichtenorganisationen, die Standards für Transparenz entwickeln.

Bitcoin und Ethereum lieferten sich seit dem Beginn des Jahres ein heißes Rennen. Zeit für einen Vergleich der zwei wertvollsten Kryptowährungen.


Bitcoin hat nach der Ankündigung, dass PayPal Kryptowährungen unterstützen wird, einen deutlichen Sprung gemacht und erstmals seit dem Januar 2018 die Marke von 13.000 USD überschritten

Kursentwicklung von Bitcoin (BTC) in den letzten 30 Tagen. Quelle: CoinGecko.

.Dem gegenüber hat sich Ethereum in den letzten Wochen etwas verhaltener gezeigt, reagierte aber, wenn auch mit etwas Verzögerung, ebenfalls auf die PayPal Ankündigung. ETH steht mit derzeit 417 USD noch etwas von seinem Jahreshoch (480 USD) entfernt.


Kursentwicklung von Ethereum (ETH) in den letzten 30 Tagen. Quelle: CoinGecko.

Betrachtet man das Jahr insgesamt, so hat Ethereum jedoch deutlich die Nase vorn. ETH hat seit dem Jahresbeginn +217,6 % zugelegt. Bei Bitcoin waren es nur +80,0 %.

Worin unterscheiden sich Bitcoin und Ethereum?

Bitcoin wurde primär als digitales Zahlungsmittel konzipiert. Dazu entwarf Satoshi Nakamoto ein digitales Geldsystem, dessen Inflationsrate algorithmisch festgeschrieben ist und sich etwa alle vier Jahre halbiert. Bitcoin erfüllt damit die Funktion eines Wertspeichers, also eines Assets, von dem viele Anleger annehmen, dass es seine Kaufkraft langfristig mindestens behält. Aus diesem Grund wird Bitcoin von vielen auch als das “digitale Gold” bezeichnet.

Ethereum hingegen könnte man eher als dezentralen Weltcomputer bezeichnen. Die Ethereum Virtual Machine macht es möglich, Turing-vollständige Smart Contracts auszuführen. Wer Smart Contracts verwenden will, muss für die Benutzung dieses Weltcomputers Gebühren in Form von ETH bezahlen. Die Höhe dieser “Gaskosten” ergibt sich daraus, welche Ressourcen die Berechnungen in Anspruch nehmen und von der Auslastung des Netzwerks.

Als einer der wichtigsten Anwendungen dieser Smart Contracts hat sich das dezentrale Finanzwesen (DeFi) herausgebildet. Laut DeFiPulse wurden derzeit 9 Mio. ETH in DeFi Smart Contracts angelegt. Das entspricht rund 3,7 USD oder 8 % des Gesamtangebots an ETH. Dank Diensten wie Wrapped Bitcoin ist es zwar auch möglich, Bitcoins zu tokenisieren und für DeFi zu nutzen, allerdings bleibt die überwiegende Mehrheit der Bitcoins in ihren virtuellen Tresoren verschlossen, während sich um Ethereum ein lebendiges finanzielles Ökosystem gebildet hat.

Ethereums Transaktionsvolumen stellt Bitcoin in den Schatten

Ein Bericht von Messari zeigt, dass das tägliche Onchain-Transaktionsvolumen auf Ethereum das Volumen auf der Bitcoin Blockchain seit dem Juli diesen Jahres durchweg übersteigt. Derzeit verzeichnet Ethereum bereits ein mehr als dreifaches Volumen, mit steigender Tendenz.

In diese Rechnung geht nicht nur das jeweilige Volumen von Bitcoin und Ethereum ein, sondern auch das der unzähligen ERC-20 Tokens. So ist beispielsweise Tether für einen großen Teil des Volumens von Ethereum verantwortlich. Da viele DeFi-Plattformen auf Stablecoins angewiesen sind und USDT BTC als Referenzwährung auf den meisten Börsen abgelöst hat, hat sich Tether zu einem echten Eckpfeiler der Kryptowirtschaft entwickelt.

Historisches Wachstum bei Stablecoins

Ein weiterer Quartalsrückblick, ebenfalls von Messari, spricht von einem historischen Wachstum bei Stablecoins. Die Gesamtmarktkapitalisierung aller Stablecoins ist im vergangenen Quartal um 8 Mrd. auf über 20 Mrd. USD angewachsen. 15 Mrd. davon sind als ERC-20 Tokens auf der Ethereum Blockchain heimisch.

Die am schnellsten wachsende Stablecoin war DAI mit einem Wachstum von 618 %, was auf den enormen Einfluss von Yield Farming zurückzuführen ist. Dahinter folgten Sythetix USD (263 %), Binance USD (187 %), USD Coin (157 %) und Gemini Dollar (50 %). Natürlich war Tether (54 %) die Stablecoin, welche in absoluten Zahlen das größte Wachstum hatte und alleine über eine Mrd. USD zulegte.

Böse Worte

Vor ein paar Tagen stellte der Investor Ryan Sean Adams über Twitter die Frage, ob die Unterscheidung zwischen Bitcoin und Altcoins noch zeitgemäß ist. Auch Vitalik Buterin nimmt Anstoß daran, dass Ethereum nach wie vor als Altcoin bezeichnet wird.

Dabei stellt sich unweigerlich die Frage, was denn als Altcoin zählen sollte. Wenn Ethereum keine “Altcoin” ist, wie sieht es dann mit Stablecoins wie Tether aus? Was ist mit alternativen Smart Contract Plattformen? Ist Binance Coin eine Altcoin?

 

Tatsächlich hat die Welt der Kryptowährungen viele Assets mit unterschiedlichen Funktionen hervorgebracht. Man könnte also durchaus argumentieren, dass eine bloße Unterteilung in Bitcoin und alles andere wie etwas klingt, was sich nur ein Bitcoin-Maximalist ausdenken könnte.

Apropos: Auch die Bezeichnung als Bitcoin-Maximalist scheinen manche Fans der beliebtesten Kryptowährung als Beleidigung anzusehen. Die Spannungen zwischen Bitcoin- und Altcoin/Ethereum-Fans heizen sich auf.

Marktbericht

DeFiPulse berichtet derzeit ein Total Value Locked (TVL) von 12,37 Mrd. USD (+3,3 %). Der DeFiPulse Index steht bei 80,47 (+4,0 %).

Die größten DeFi-Plattformen sind derzeit Uniswap (2,69 Mrd., -2,4 %), Maker DAO (2,12 Mrd., +1,6 %), Harvest Finance (1,10 Mrd., +7,7 %) und Aave (1,04 Mrd., +7,4 %).

Laut Messari haben DeFi Tokens im gewichteten Schnitt +3,1 % zugelegt. Der größte Gewinner war yAxis (+15,1 %). Der größte Verlierer war Hegic (-11,4 %).

Stand: 23. Oktober 2020, 1:35 Uhr.

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Tobias verfügt über einen Bachelorabschluss in angewandter Informatik, sowie einen Masterabschluss in Kognitionswissenschaft mit Fokus auf kognitiver Psychologie und künstlicher Intelligenz. Während seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Gent nahm er an einem Forschungsprojekt in Verbindung mit einem großen französischen Telekommunikationsanbieter teil. Hierbei erforschte er die Anwendung von Spieltheorie auf den gemeinschaftlichen Ausbau von WLAN-Netzen. Nachdem er die Universität verließ, wandte er sich dem Blockchain-Sektor zu, wo er als freier Forschungsmitarbeiter für Startup-Unternehmen arbeitet.

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