Wie entstehen eigentlich neue Bitcoins?

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Im ersten Teil unserer Reise in den Bitcoin Hasenbau, haben wir erfahren was Bitcoin ist, warum es nützlich ist und wie man es gebraucht. Nun gucken wir etwas genauer hin. Dabei beantworten Fragen wie “wo sind denn die Bitcoins?” und “wie entstehen neue Bitcoins?”.



Falls Du den ersten Artikel in unserer Reihe noch nicht gelesen hast, ist jetzt der perfekte Zeitpunkt dafür.

In diesem Artikel:

  • Wo “leben” Bitcoins?
  • Wie entstehen Bitcoin?
  • Warum haben Bitcoins einen Wert?
  • Schlusswort



Wo “leben” Bitcoins?

Bitcoin wirkt so komplex, weil sie Geld nicht anfassen können. Gerade im Vergleich zum Bargeld ist Bitcoin ungewohnt, da fragt man sich wo die ganzen Bitcoins eigentlich sind.

Für ein leichtes Verständnis stellen wir uns das Bitcoin System metaphorisch und in Anlehnung an die analoge Welt vor.

Die Blockchain – das Hauptbuch von Bitcoin

Stellen wir uns eine Gruppe von Buchhaltern vor – die “Hüter des Hauptbuchs”. Das Hauptbuch ist letztlich ein Buch, indem alle Transaktionen dokumentiert sind. Jeder einzelne Hüter hat seine eigene Kopie des Buchs, in dem er neue Transaktionen eintragen kann.

Möchte ein Teilnehmer eine Transaktion tätigen, muss er den Hütern eine vorherige Transaktion als Geldquelle nennen. Das heißt, wenn Alice dem guten Bob 1 BTC schicken möchte, dann muss sie den Hütern des Hauptbuches beweisen, dass sie zuvor 1 BTC von Charlie bekommen hat.

Die Hüter prüfen – jeder in seinem eigenen – das Hauptbuch, ob Alice tatsächlich eine unausgegebene Transaktion mit mindestens dem Betrag in Frage verfügbar hat. Falls ja, dokumentieren alle Hüter die neue Transaktion von Alice zu Bob in ihren Büchern.

Mit diesem Vorgang des Dokumentieren in den allen Kopien des Hauptbuches, hat die Bitcoin ihren Besitzer gewechselt. Sie gehört jetzt Bob und nicht mehr Alice. Wenn Alice das nächste mal ein Bitcoin ausgeben möchte, muss sie eine andere Quelle nennen.

Mit anderen Worten: Alle Bitcoin Transaktionen sind in einem solchen Hauptbuch festgehalten. Nur sind diese “Bücher” natürlich digital und einfach eine Datenbank. Diese Datenbank heißt auch “Blockchain“.

Genau wie in unserem Beispiel, gibt es nicht nur ein einzige Kopie des Hauptbuchs, sondern tausende. Jeder der Lust hat, kann sich die mittlerweile 250 GB große Blockchain-Datei herunterladen. Dabei stehen in jeder Kopie der Bitcoin Blockchain die identischen Transaktionen.

Ein Hüter vertraut nur seiner eigenen Kopie und verifiziert dass alle neuen Transaktionen legitim sind. Durch die vielen Kopien ist es praktisch unmöglich eine betrügerische Änderung in allen Kopien gleichzeitig vorzunehmen.

Digitale Signaturen in Bitcoin

Die vielen Kopien der Blockchain sichern das Netzwerk vor Betrug, doch wie beweist Alice – digital -, dass ihr auch tatsächlich die Bitcoins gehören? In unserem analogen Gedankenbeispiel, könnte Alice mit ihrer Unterschrift beweisen, dass sie tatsächlich die Besitzerin der Bitcoins ist. Doch wie funktioniert das bei Bitcoin?

Eine geniale Erfindung der modernen Computertechnik sind digitale Signaturen. Ohne zu tief in die Funktionsweise aufzutauchen: Mithilfe einer digitalen Signaturen kann sich eine Entität (Mensch, Unternehmen, Computer) eindeutig ausweisen. Anders als eine handschriftliche Signatur, lassen sich digitale Signaturen aber nicht fälschen.

Wenn Alice ihre Bitcoin Transaktion abschickt, dann signiert ihre Bitcoin Wallet für sie automatisch, digital die Transaktion. Alle anderen Teilnehmer im Netzwerk können überprüfen, ob tatsächlich der Besitzer die Bitcoin ausgeben möchte.

Faszinierend dabei: Die anderen Hüter des Hauptbuches müssen nicht wissen, wer Alice ist. Weil Bitcoin pseudonym ist, gibt es nur kryptisch Bitcoin Adressen. Bei einer Transaktion prüfen die Hüter also, ob die Signatur auch wirklich von einer bestimmten Adresse kommt und ob diese Adresse genügend Bitcoin zur Verfügung hat.

Fassen wir kurz zusammen was wir bisher gelernt haben:

Bitcoins “leben” auf der Blockchain. Die Blockchain ist eine digitale Datenbank, vergleichbar mit einem Hauptbuch in der Buchführung. Bei einer Transaktion beweist der Sender durch eine digitale Signatur, dass er der Besitzer ist und die Transaktion autorisiert. Die Blockchain erhält einen neuen Eintrag und die Bitcoins wechseln den Besitzer.

All das passiert automatisiert im Hintergrund. Alle Teilnehmer überprüfen gegenseitig, dass die anderen keinen Schabernack treiben und betrügen. Letztlich handelt es sich bei vielen Operationen um Mathematik und kryptographischen Beweisen.

Wie entstehen Bitcoin?

Nachdem wir nun wissen, dass Bitcoin eigentlich nur Einträge auf der Blockchain sind, stellt sich die nächste Frage: “Wie werden Bitcoins erzeugt?”.

Für ein leichtes Verständnis, vereinfachen wir die Realität auch in diesem erweiterten Gedankenexperiment:

Neben den Hütern des Hauptbuches, gibt es in der Bitcoin-Welt die sogenannten Miner. Ein Bitcoin Miner ist ein Teilnehmer im Netzwerk, der Strom (Energie) aufwendet, um die Blockchain zu sichern.

Das Ziel des Mining ist es eine Zahl zu erraten. Dieser Rateprozess wird von Computern übernommen, die unzählige Male in der Sekunde versuchen die Lösung zu erraten. Da Bitcoin mittlerweile ein milliardenschweres System ist, arbeiten ganze Rechenzentren (sogenannte Mining Farmen) an den Aufgaben.

Diese Bitcoin Farmen verbrauchen sehr viel Strom – je günstiger ein Bitcoin Miner also an Strom kommt, desto niedriger sind seine Kosten und desto höher der potenzielle Profit. Da Mining so eine heiß umkämpfte Industrie ist, benötigen Bitcoin Miner besondere Mining Hardware (besondere Computer, die nur Bitcoin schürfen können). Für Amateure mit normalen Computern ergibt das Schürfen von Bitcoins oft wenig Sinn.

Warum das Ganze? Warum verbraucht Bitcoin so viel Energie? Ist das nicht Verschwendung? Nein, es ist keine Verschwendung und auch kein Fehler im Design der ersten Kryptowährung.

Vielmehr ist es gerade dieser Prozess des Bitcoin Mining, der Bitcoin so revolutionär macht. Denn eine fundamentale Regel in Bitcoin besagt:

“Wer als erstes die Lösung für das Rätsel findet, darf als nächstes bestimmen, welche Transaktionen abgewickelt werden”.

Durch diese recht simple Regel ordnet sich das Bitcoin Netzwerk. Findet ein anderer Miner die richtige Zahl vor mir, so akzeptiere ich seinen Block an Transaktionen, genauso wie er meinen akzeptieren würde. Wer diese Regel missachtet spielt nicht mehr in Bitcoin mit. Die gültige Zahl kann nur durch Raten entdeckt werden – und Raten bedeutet Arbeit und Arbeit bedeutet Strom.

Einen zentralen Schiedsrichter gibt es also nicht. Vielmehr übernimmt die Masse die Prüfung der Regeln und bestraft Querulanten.

Neue Bitcoins mit der Coinbase Transaktion

Als Belohnung für die Arbeit, darf ein Miner sich einen bestimmten Betrag an Bitcoin zuschreiben. Das heißt er fügt eine besondere Transaktion zu den anderen hinzu. Diese besondere Transaktion heißt auch Coinbase Transaktion (das gleichnamige Unternehmen hat seinen Namen von diesem Mechanismus) und generiert somit Bitcoin aus dem Nichts.

Die Besonderheit in Bitcoin ist, dass ein Miner nur dann Bitcoin schürfen kann, wenn

  1. er der erste war, der die nächste gültige Zahl erraten hat und
  2. wenn er den Maximalbetrag nicht überschreitet.

Der Maximalbetrag pro Transaktions-Block ist im Computercode selbst festgelegt und liegt Zeit des Schreibens bei 6,25 BTC. Circa alle 4 Jahre halbiert sich der Betrag der Coinbase Transaktion.

Als Bitcoin am 3. Januar 2009 gestartet wurde, lag der Maximalbetrag bei 50 BTC. Mittlerweile hat sich diese Belohnung bereits drei Mal halbiert (also von 50 zu 25, zu 12,5 Bitcoins, zu 6,25 – auch bekannt als Bitcoin Halving). Voraussichtlich wird im Jahr 2140 der letzte Bitcoin geschürft. Folglich werden niemals mehr als 21 Millionen Bitcoins im Umlauf sein.

Die Geldmenge in Bitcoin ist auf 21 Millionen BTC limitiert
Quelle: https://www.bitcoinblockhalf.com/

Würde ein Miner versuchen mehr Bitcoin zu generieren als das Protokoll erlaubt, bemerken die anderen Miner das und weisen die Transaktion ab.

Der Erfinder von Bitcoin, Satoshi Nakamoto, modellierte die maximale Anzahl der Bitcoins und Ausschüttung nach Gold. Deswegen spricht man auch von Minern (Bergarbeitern) und digitalem Gold.

So belohnt das Bitcoin System ehrliche Arbeit, wer betrügen will hat umsonst die Energie aufgebracht. Kommen wir damit zur letzten Frage und Antwort in diesem Artikel:

Warum haben Bitcoin einen Wert?

Beginnen wir mit den ökonomischen Grundlagen. Die tiefere Frage ist nämlich warum Dinge überhaupt einen Wert haben und was Wert eigentlich bedeutet.

“Wert” ist eine subjektive Wahrnehmung. Anders gesagt, der Wert einer Sache liegt immer im Auge des Betrachters. Für den Einen mag eine Flasche Wasser überlebensnotwendig sein, für den Anderen kann dieselbe Flasche Wasser eine nette Abkühlung sein. Auch wenn es sich um die selbe Sache dreht, hat jeder Mensch seine eigene Wertvorstellung.

Folglich haben die Kritiker Recht, wenn sie bemängeln, dass Bitcoin keinen intrinsischen Wert hat. Diese Kritiker versäumen allerdings, dass nichts intrinsischen Wert hat. Der Wert einer Sache liegt immer im Auge des Betrachters. So ist es für Gold, den Euro und eben Bitcoin auch.

Da “Wert” also subjektiv ist, können wir nicht feststellen, wie sehr eine Person eine Sache psychisch schätzt. Jedoch können wir Preise beobachten, denn im Gegensatz zum subjektiven Wert einer Sache, sind Preise objektiv.

Bei jedem einvernehmlichen Tauschgeschäft schätzt der Verkäufer die Ware weniger als den Preis und der Käufer schätzt die Ware mehr als den Preis. Wir erkennen also, dass es keinen objektiven Wert gibt und dass eine Tauschwirtschaft gerade deswegen funktioniert!

Damit kommen wir zur finalen Frage für diesen Artikel: “Warum ist Bitcoin so viel wert?”

Die ökonomische Antwort lautet schlicht: Es gibt Menschen die den Wert eines Bitcoins höher einschätzen, als den aktuellen Preis. Dahinter können die unterschiedlichste Gründe stehen.

Wie wir bereits gelernt haben ist Bitcoin eine neuartige Technologie, die uns Geld im Internet verschafft.

  • Dieses Geld kann innerhalb von Minuten auf der ganzen Welt verschickt werden.
  • Transaktionen können nicht von einer Autorität zensiert werden.
  • Die Bitcoin Menge kann nicht einfach erweitert werden.

Mit anderen Worten: Bitcoin hat viele Vorteile. Auch wenn es sich noch nicht als allgemeines Zahlungsmittel durchgesetzt hat, profitieren Menschen auf der ganzen Welt von der Technologie.

In Deutschland und anderen Erste-Welt-Ländern mag der Bedarf für gesundes Geld noch nicht so offensichtlich sein. Denn die meisten Menschen hier haben Zugang zum Bankensystem und der Euro ist – wenn auch inflationär – relativ stabil. Doch es gibt Milliarden von Menschen, die diesen Luxus nicht genießen können.

Wenn die Banken ihre Türen verschließen, öffnet Bitcoin das Tor zum globalen Markt.

Bitcoin repräsentiert die erste staatenlose, digitale Währung. Wie viele Bitcoin es gibt, steht bereits jetzt fest; jeder der möchte kann mitmachen und niemand kann Bitcoin abschalten. Somit ist Bitcoin ein disruptives Phänomen, das unsere gesamte Welt umkrempeln könnte. Ähnlich wie es bereits das Internet, der Computer und das Smartphone selbst getan haben.

Schlusswort

Wir sind am Ende unserer zweiteiligen Bitcoin Einführung. Du solltest mittlerweile einen groben Überblick über die neue Technologie bekommen haben und vielleicht besitzt Du sogar selbst schon Bitcoins.

Doch dies ist bei weitem noch nicht das Ende des Hasenbaus. Wenn du dich für Bitcoin, Blockchain Technology und Kryptowährungen interessierst, dann schau dich auf unserer Seite um. Neben täglichen News Artikeln gibt es auch diese Lernen-Sektion.

Wenn Du Fragen über Bitcoin oder Sonstiges hast, kannst Du jederzeit einfach unserer Telegram Gruppe beitreten! Dort findest Du auch exklusive Slides zu diesem Artikel.

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Alex einen Bachelor von der Frankfurt School of Management & Finance im Studiengang Management, Philosophy & Economics. Seine Bachelorthese schrieb er über die Anwendungsfelder der Blockchain Technologie. Seit 2016 beschäftigt sich Alex intensiv mit Bitcoin, der Blockchain Technologie und anderen Kryptowährungen. Anfang 2018 begann Alex regelmäßig Inhalte in Schrift und Ton zur Krypto-Welt zu produzieren. Neben BeInCrypto führt er auch mehrere Podcasts.

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